Migrantinnen qualifizieren sich in der Altenpflege - Altenhilfeprojekt im Biebricher BauHof  

 
Die Absolventinnen des Kurses haben stolz ihre
Abschlusszertifikate entgegen genommen.

Wie macht man ein Bett, wenn jemand darin liegt? Wie verhindert man eine Kontraktur? Und wie beugt man Dekubitus vor? Fragen, mit denen sich 17 Migrantinnen im Alter von 20 bis 55 Jahren aus neun verschiedenen Ländern im Rahmen eines Qualifizierungsprojekts im Bereich kultursensible Altenhilfe auseinander gesetzt haben. 

Ein halbes Jahr dauerte die Schulung. Einstieg war ein berufsbezogener Sprachkurs, in dem den Frauen Gesundheitsthemen, der menschliche Körper und seine Funktionen sowie fachspezifisches Vokabular vermittelt wurden. In der zweiten Phase wurde das Erlernte speziell auf den Umgang mit alten und pflegebedürftigen Menschen angewendet. Um sofort den nötigen Praxisbezug herzustellen und praktische Übungen durchführen zu können, fanden die Schulungen im Altenpflegeheim Haus St. Hedwig der Caritas Altenwohn- und Pflegegesellschaft (CAP) statt. Abschließend haben die Frauen jeweils bis zu zehn Tage in einer Altenpflegeeinrichtung der CAP mitgearbeitet und so erste Einblicke in den Berufsalltag der Altenpflege erhalten.

„Schon zu Beginn war das Interesse an dem Angebot groß, deswegen haben auch statt der ursprünglich geplanten 12 schließlich 17 Frauen am Projekt teilgenommen“, erzählt Projektleiterin Rebecca Steng-Allam. „Die Frauen waren alle hoch motiviert und einige können sich vorstellen eine Ausbildung zur Altenpflegerin oder zur Alltagsbegleiterin zu machen. Andere werden das Erlernte nutzen und alte oder kranke Familienmitglieder zu Hause zu pflegen.“ Astrid Keiper-Dietz von der CAP ergänzt: „Ich bewundere den Mut der Frauen, die gar nicht recht wussten, worauf sie sich bei der Schulung einlassen. Wenn die Frauen sich diesen Mut bewahren, dann werden sie sicher ihren Weg gehen.“

Unabhängig davon, wie die Teilnehmerinnen sich entscheiden – sie haben sich in einem zukunftsträchtigen Berufsfeld fortgebildet. Denn anders als angenommen, bleiben viele Migrantinnen und Migranten auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben in Deutschland, sodass mit einem steigenden Bedarf an Pflegeleistungen für ältere Migranten gerechnet werden kann.

Finanziert wurde die Qualifizierung über das von der Europäischen Union und der Bundesregierung aufgelegte Förderprogramm Stärken vor Ort. „Wir brauchen solche Projekte, um den Menschen eine berufliche Zukunft zu bieten“, sagt Walter Barth, Einrichtungsleiter des BauHofs. „Über Stärken vor Ort können wir mit geringen Mitteln und gezielter Förderung an vorhandenen Kompetenzen ansetzen, lokal vernetzte Strukturen nutzen und flexibel auf die Bedingungen im Stadtteil reagieren. Wir sind für die Menschen da, aber sie müssen die Dinge anstoßen. Wir und die hier lebenden Menschen konnten schon erleben, welche großartigen Leistungen Eigeninitiative, Ideenreichtum und nachbarschaftliche Solidarität zustande bringen.“