"PAKT – anpacken – zupacken": Neues Bundesmodellprojekt des Migrationsdiensts  

13 Frauen aus unterschiedlichen Ländern haben im Dezember 2009 den Verein MigraMundi e.V. gegründet.Unter dem Namen MigraMundi e.V. haben 13 Frauen aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen Religionen im Dezember 2009 einen interkulturellen Migrantinnenverein zur Verwirklichung ihrer Ziele und Projekte gegründet. Im Rahmen des Bundesmodellprojekts „PAKT – anpacken – zupacken“ werden sie bei Aufbau, Organisation und Etablierung des Vereins vom Migrationsdienst des Caritasverbands Wiesbaden-Rheingau-Taunus unterstützt. Das Projekt wird für zwei Jahre vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Landeshauptstadt Wiesbaden gefördert.

„Unterstützung und Professionalisierung sowie der Aufbau von hauptamtlichen Strukturen sind für den Verein wichtig, um nachhaltig arbeiten zu können“, erklärt Manuela Pintus, Leiterin des Migrationsdienstes im Caritasverband. „Unser Ziel ist es, MigraMundi kommunal zu etablieren, die Frauen an Projektanträge heranzuführen und sie personell mit Blick auf Gremienarbeit zu qualifizieren. Die Migrantinnen wollen ihre Belange selbst vertreten und können hierzu über das Projekt Handwerkszeug erhalten. Inhalte und Themen werden von den Vereinsmitgliedern selbst festgelegt.“

Inhalte und Ziele, auf die sich die Frauen festgelegt haben, sind hoch gesteckt. Dazu gehören die Förderung der Selbstorganisation, des gesellschaftspolitischen Dialogs, des bürgerschaftlichen Engagements und der gegenseitigen Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit ebenso wie die Konzeptionierung und Durchführung von Maßnahmen im Bereich Migration und Integration.

„Wir möchten allen Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund als Vorbild dienen und zeigen, dass ein positives Miteinander auch trotz Herausforderungen und Konflikten gelingen kann. Schwierige Sachverhalte reflektieren wir in unserem “bunten Team“ aus verschiedenen Blickwinkeln heraus und gehen die Themen offen und gezielt an. Aus dem Herzen kommende Motivation sowie Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Fairness sich selbst, den Anderen und auch der Natur gegenüber ist für uns dabei das Maß aller Dinge. Wir möchten ein Umfeld gestalten, in dem die Vielfalt von Identitäten sowie die geistigen und körperlichen Fähigkeiten aller Menschen geschätzt werden, sagen Aysegül Güler und Özlem Senay, die sowohl Gründungsmitglieder bei MigraMundi e.V. als auch Mitarbeiterinnen im Migrationsdienst des Caritasverbandes in dem Bundesmodellprojekt PAKT sind.“

Erste Schritte haben die Vereinsmitglieder bereits unternommen: Die Vereinssatzung wurde fertig gestellt, der Vorstand, bestehend aus einer Irakerin, einer Marokkanerin, einer Kubanerin und einer Russin, ist gewählt, Vorstandssitzungen, Vereinstreffen und eine erste Mitgliederversammlung haben stattgefunden, die Homepage ist in Bearbeitung, der Verein hat sich beim Wiesbadener Interkulturellen Frauennetzwerk im Rathaus vorgestellt,...

Gleichzeitig wird die Qualifizierung der inzwischen 20 Mitglieder in Angriff genommen. Insgesamt 12 ganztägige Schulungen zu Themen wie Vereinsführung, Projektmanagement, interkulturelle Wahrnehmung oder Identität im Migrationsprozess sollen durchgeführt werden. Die Migrantinnen sollen außerdem in verschiedenen Einrichtungen des Caritasverbands hospitieren um einen Einblick in die Praxis zu erhalten. Wunschbereiche der Vereinsmitglieder sind Finanzen und Buchhaltung, Personalverwaltung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Administration und Sekretariat sowie Familien-, Drogen- und Schuldnerberatung.

„Zusätzlich ist es aber auch wichtig, für die Frauen ein Netzwerk zu schaffen, damit der Verein als Ansprechpartner und Projektträger bekannt wird“, sagt Manuela Pintus. „Vereinsmitglieder werden mich in fachspezifische Gremien und Arbeitskreise begleiten und an Sitzungen vom Ausländerbeirat, von Ortsbeiräten sowie Stadtteilkonferenzen, insbesondere in Gegenden mit hohem Migrantenanteil, teilnehmen. Außerdem werden wir Vernetzungsgespräche mit verschiedenen Gremien sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen in der Stadt führen.“

Im zweiten Projektjahr werden die Frauen ihre neu erworbenen Kenntnisse gezielt anwenden. Im Tandem mit dem Caritasverband wird ein Projekt beantragt, durchgeführt und abgerechnet. Was das genau sein wird, steht noch nicht fest. An Begeisterung und Tatendrang wird es nicht mangeln, denn bereits heute kann sich der Verein nicht über einen Mangel an Projektvorschlägen von Vereinsmitgliedern und möglichen externen Kooperationspartnern beklagen. Auch die Integrationslotsinnen planen, ihre Arbeit unter dem Dach von MigraMundi fortzusetzen – mehrere Lotsinnen sind auch unter den Gründungsmitgliedern des Vereins.

„Mit dem Projekt machen wir einen wichtigen Schritt dahingehend, dass Migrantinnen Integrationsarbeit selbst gestalten und bisher brach liegende Potenziale in dieser Gruppe besser genutzt werden. Mit der Etablierung des Vereins auf kommunaler Ebene schaffen wir eine Möglichkeit für gesellschaftspolitische Beteiligung“, fasst Manuela Pintus die Ziele von PAKT zusammen.