Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst zu Besuch bei den Rheingauer Caritas Tischen  

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst und Caritasdirektorin Barbara Handke (2. von rechts) im Kreise von Ehrenamtlichen der Rheingauer Caritas Tische. GEISENHEIM - Kürzlich stattete Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Rahmen seiner Bezirksvisitation der Ausgabestelle der Rheingauer Caritas Tische in Geisenheim einen Besuch ab. Nach der Besichtigung der Räumlichkeiten informierte er sich im Gespräch mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern des Caritasverbands Wiesbaden-Rheingau-Taunus e.V. ausführlich über die Arbeit des Projekts über das qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Einzelhandel nicht mehr verkauft werden können, an Menschen in Not verteilt werden.

Seit der ersten Lebensmittelausgabe im November 2007 hat sich der Kundenstamm der Rheingauer Caritas Tische stetig erweitert. „Inzwischen versorgen wir 320 Personen, davon 130 Kinder und Jugendliche, regelmäßig mit Lebensmitteln“, berichtet Caritasdirektorin Barbara Handke. „Einerseits freuen wir uns natürlich darüber, dass die Rheingauer Caritas Tische in den Gemeinden und in der Region inzwischen so gut etabliert sind und wir von so vielen Seiten unterstützt werden. Andererseits ist es aber gerade bei diesem Projekt problematisch, von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen. Wir reagieren mit den Caritas Tischen auf die bestehende Not einer wachsenden Zahl Menschen. Eine Not, die es in unserer Gesellschaft eigentlich gar nicht geben dürfte.“

Auch Bischof Tebartz-van Elst unterstrich, dass langfristig tiefer liegende Probleme in der Gesellschaft bekämpft werden müssten. Gleichzeitig bezeichnete er die Rheingauer Caritas Tische aber auch als ein Beispiel dafür, wie er sich Caritasarbeit öfter wünscht. „Das Projekt zeigt die Unmittelbarkeit der Caritas, die Menschen weitgehend unbürokratisch Brücken baut. Und es zeigt ihre Nähe zu den Pfarrgemeinden. Die Caritas gehört zum Glauben in den Gemeinden.“

Einen besonderen Dank richtete Bischof Tebartz-van Elst an die 80 Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass der Betrieb in den vier Ausgabestellen reibungslos läuft. „Ich bin dankbar, dass es dieses Projekt gibt und das Sie alle mit so viel Leidenschaft dabei sind“, sagte er zu den Ehrenamtlichen. „Mit Ihrem Tun schenken Sie den Menschen Annahme und Würde. In Ihrem Tun ist der Glaube anschaulich und konkret. Sie zeigen den Armen das Angesicht Christi.“

Die vielen ehrenamtlichen Helfer übernehmen bei den Rheingauer Caritas Tischen die unterschiedlichsten Aufgaben – sie halten die Kontakte zum örtlichen Handel aufrecht, holen die Lebensmittel ab, sortieren sie und geben sie aus, pflegen die Ausgabestellen und übernehmen viele weitere Aufgaben.

Aber trotz all der Plackerei Woche für Woche, betonen die Helferinnen und Helfer, dass ihnen die Arbeit Spaß macht – und sie gleichzeitig auch für sich selbst etwas tun. „Ich freue mich auf jeden Mittwoch, an dem ich in der Ausgabestelle arbeite. Wenn ich die Augen unserer Kunden sehe, wenn ich ihnen die Lebensmittel einpacke, dann muss ich mich einfach mitfreuen“, sagt eine Ehrenamtliche und erntet dafür zustimmende Blicke von den anderen. „Und wenn ich mir vorstelle, dass die ganzen Lebensmittel früher einfach im Müll gelandet wären. Das ist ja alles noch einwandfrei“, ergänzt eine weitere Helferin.

Als Problem sehen die Ehrenamtlichen aber, dass nicht alle, die dazu berechtigt sind, auch tatsächlich Lebensmittel bei den Rheingauer Caritas Tischen Lebensmittel holen. „Die Tische sind eine wunderbare Sache, aber gerade ältere Menschen oder einheimische Leute nutzen das Angebot zu wenig, weil sie sich scheuen. Ich habe auch schon öfter Menschen angesprochen, von denen ich denke, dass sie berechtigt sind, von uns Lebensmittel zu bekommen. Einige habe ich schon überzeugt, zu uns zu kommen, aber bei manchen ist die Scham einfach zu groß“, berichtet eine Ehrenamtliche.

Dabei sind die Rheingauer Caritas Tische positiv im Bewusstsein der Region verankert – auf unterschiedlichste Initiativen wurden immer wieder Aktionen zugunsten des Projekts durchgeführt: Unter dem Motto „Kauf eins mehr“ konnten zusätzlich gekaufte Lebensmittel in teilnehmenden Supermärkten für die Tische zurückgelassen werden, Teilnehmer eines Sportkurses gaben Milch an die Tische, gespendeter Spargel wurde von fleißigen Händen geschält und verkauft – und die Liste könnte um einige Beispiele erweitert werden.

Bildunterschrift: Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst und Caritasdirektorin Barbara Handke (2. von rechts) im Kreise von Ehrenamtlichen der Rheingauer Caritas Tische.