September 2007  

„Rheingauer Caritas Tische“ – neues Projekt gegen Armut und Not in Kooperation mit dem „Eltviller Tisch“


Im Rheingau lebten im März 2007 ca. 2000 Bedarfsgemeinschaften mit 2600 Personen, davon 979 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. Diese Bedarfsgemeinschaften beziehen Leistungen nach dem SGB II, Arbeitslosengeld, bzw. nach dem SGB XII, Sozialhilfe. Zu den vielfältigen Problemen dieser Personengruppe gehört, dass manche Menschen nicht in der Lage sind, sich ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Nötige Hilfe leistet in vielen Fällen das Konzept der so genannten „Tafeln“, wo bedürftige Menschen kostenlos Lebensmittel beziehen können. Diese Lebensmittel werden im Handel nicht mehr verkauft, da sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Das erfolgreiche Konzept der Tafeln hilft vielen Menschen.
Aber die vorhandenen Tafeln in Bad Schwalbach, Wiesbaden, Mainz und Bingen „bedienen keine Kunden aus dem Rheingau“. Höchste Zeit also, auch in dieser Region ein funktionierendes System einzurichten, das die benannten Probleme und Nöte zu lindern hilft. Die „Rheingauer Caritas Tische“, ein Projekt in Trägerschaft des Caritasverbandes Wiesbaden-Rheingau-Taunus e.V., wird künftig diese Anlaufstelle für bedürftige Menschen im Rheingau bieten.

 

Am 27. September um 19 Uhr findet in der Pfarrei St. Martin in Oestrich-Winkel die Auftaktveranstaltung der „Rheingauer Caritas Tische“ statt. An diesem Abend gibt es umfassende Informationen zum Projekt.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung werden auch die vielfältigen Möglichkeiten, sich in diesem Projekt ehrenamtlich zu engagieren vorgestellt. Um die Aufgaben der „Rheingauer Caritas Tische“ möglichst effektiv ausführen zu können, werden – neben dem hauptamtlichen Team der Caritas – viele ehrenamtliche Helfer gesucht, zum Beispiel für die Bereiche Fahrdienst zum einsammeln von Lebensmitteln bei kooperativen Händlern, für die Lagersortierung und Lebensmittelausgabe.

Die Trägerschaft der „Rheingauer Caritas Tische“ wurde vom Caritasverband im Einvernehmen mit den Vertretern des Rheingau-Taunus-Kreises, den sieben Rheingauer Kommunen, den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und dem Diakonischen Werk für den Rheingau – von Walluf bis Lorch – übernommen. Die „Rheingauer Caritas Tische“, eine Kooperation mit dem „Eltviller Tisch“, werden von einem Beirat unterstützt.
Weitere Beiratsmitglieder sind derzeit der Landrat und die Bürgermeister von Eltville, Geisenheim und Rüdesheim, sowie Peter Wachendorff von Wachendorff Elektronik.
Dr. Franz Kamphaus, Altbischof von Limburg, hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen.

Wir würden uns freuen, wenn die „Rheingauer Caritas Tische“ auch die Unterstützung durch eine informierte Öffentlichkeit erhalten würden. Aus diesem Grund hoffen wir auf reges Interesse der Pressevertreter.
Anfragen von interessierten Journalisten werden wir gerne beantworten. Außerdem freuen wir uns auf Ihre Teilnahme an unserer Auftaktveranstaltung.

Telefonischer Kontakt zu den „Rheingauer Caritas Tischen“:
Thomas Kersting (Projektleiter)
06722 / 96 02 30
Sabina Fischer
06124 / 729215


Lesen Sie weitere wichtige Informationen zu den „Rheingauer Caritas Tischen“: 

Wertvolle Lebensmittel werden vernichtet, weil sie im Handel oder im Gewerbe nicht mehr verkauft werden können, obwohl sie durchaus noch für den Verzehr geeignet sind. Weil beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, Obst und Gemüse etwas unansehnlich geworden ist, oder weil manchmal einfach zu viel eingekauft oder produziert wurde, wandern kostbare Lebensmittel in den Müll. Hier greift die Idee der „Rheingauer Caritas Tische“: überflüssige Lebensmittel bei Herstellern und Märkten einsammeln und an Menschen mit geringem Einkommen verteilen!
Die „Rheingauer Caritas Tische“ helfen damit die Vernichtung von einwandfreien Lebensmitteln zu verhindern und gleichzeitig Armut zu lindern. Die „Rheingauer Caritas Tische“ bemühen sich hier um einen Ausgleich – gemeinsam mit hoffentlich vielen ehrenamtlichen Helfern.


Ein zentrales Lager mit Büro der „Rheingauer Caritas Tische“ wird im Geisenheimer Marienheim eingerichtet. Dort werden die eingesammelten Lebensmittel kühl zwischen gelagert und an den verschiedenen Ausgabestellen verteilt. In den einzelnen Kommunen soll je eine Ausgabestelle eingerichtet werden.

Die „Rheingauer Caritas Tische“ orientieren sich in ihrer Arbeit an den Grundsätzen des Bundesverbandes der Tafeln e.V. in Deutschland.
Ausgeteilt werden die Lebensmittel an Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Dazu zählen Bezieher von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, einer kleinen Rente, Grundsicherungsleistungen, oder andere Menschen mit geringfügigen Einkünften. Sie erhalten eine Berechtigungskarte. Diese Berechtigungskarte muss bei jeder Ausgabe vorgelegt werden. Die Ausgabe erfolgt nur zu festgelegten Zeiten. Es können nur so viel Lebensmittel ausgegeben werden, wie an Spenden vorhanden sind. Die Abgabemenge richtet sich nach der Personenzahl, die auf der Berechtigungskarte vermerkt ist. Ein Anspruch auf bestimmte Lebensmittel besteht nicht.
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Ausgabe der Lebensmittel. Für die Abgabe der Lebensmittel wird pro Ausgabe ein geringer symbolischer Kostenbeitrag erhoben. Transport- und Verpackungsmaterial sind von den Abholberechtigten mitzubringen. Die Berechtigungskarte ist beim Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus erhältlich.
Gemäß seinem christlichem Leitbild hilft der Caritasverband vorrangig Menschen in schwierigen Lebenslagen, die in ihrem persönlichen Umfeld oder in den sozialen Sicherungssystemen keine oder keine ausreichenden Hilfen finden.
Als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche nimmt der Caritasverband diese Aufgabe in gesellschaftlicher Verantwortung und damit als Lobbyist und Anwalt für arme und Not leidende Menschen wahr. Der Caritasverband will alle Menschen unterstützen, die davon bedroht sind, an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt zu werden. Gleichzeitig bietet er Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit einer sinnhaften ehrenamtlichen Betätigung in einem sozialen Umfeld.

Das Projekt „Rheingauer Caritas Tische“ hört als diakonisches Angebot nicht bei der Lebensmittelausgabe auf, weitere Hilfen werden angeboten. Die Armut soll gesellschaftlich verdeutlicht werden. Menschen sollen nicht nur spenden, sondern Armut erkennen und aktiv werden.

Dem Ehrenamt kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu:
In den Orten um die Ausgabestellen werden Teams von Ehrenamtlichen gebildet, die die Ausgabe organisieren, die Ausgabestelle pflegen und Kontakte zu örtlichen Geschäften halten – insbesondere zu Bäckereien, bei denen am Tag vor der Ausgabe (möglichst abends) durchgebackene Backwaren eingesammelt werden.
Die Ehrenamtlichen-Teams sollen ihre Dienstpläne organisieren und die Übernahme von Patenschaften für nicht mobile Kunden übernehmen. Außerdem gehört auch die Werbung von Spendern und Unterstützern zu den Aufgaben, zu deren Bewältigung ehrenamtliche Unterstützer unverzichtbar sind.

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